Klett-Themendienst Nr. 116 (7+8/2023)

Wie macht man Kindern Lust darauf, Französisch zu lernen? Ganz einfach. Man meldet sich als Schule bei FranceMobil. Seit 2002 besuchen junge Muttersprachler:innen im Rahmen des Erfolgsprojekts Schulen im gesamten Bundesgebiet. Sie machen Schülerinnen und Schülern Lust auf das Nachbarland und dessen Sprache. Eine der Französinnen ist Manon Boutté vom Institut Francais in München.

Frau Bouttè, wie ist es dazugekommen, dass Sie deutsche Schülerinnen und Schüler für die Sprache Französisch begeistern möchten?

Das liegt vor allem daran, dass ich selbst erlebt habe, wie bereichernd es ist, eine Fremdsprache zu lernen und sie im Land anzuwenden. Bei mir ist es Deutsch. Mit 11 Jahren nahm ich an einem Austauschprogramm teil und hatte so nette und herzliche Gasteltern, dass ich begann, mir vorstellen zu können, in Deutschland zu leben.  Also war ich im Rahmen des Erasmusprogramms in Göttingen, lernte durch einen Freiwilligendienst Wuppertal kennen, danach war ich in Mannheim und jetzt bin ich Lektorin für FranceMobil in München und reise mit dem FranceMobil zu den Schulen in Süd-Bayern.

Das klingt so, also sei FranceMobil nicht nur ein Programm, sondern auch ein Auto.    

Genau! (lacht) Die Schülerinnen und Schüler finden es immer lustig, wenn ich mit meinem rot-blau-weiß bedrucktem Auto auf den Parkplatz fahre. Sie sagen dann: „Das Programm heißt FranceMobil und es kommt ein FranceMobil“. Und sie finden es auch toll, eine echte Französin zu erleben. Zuerst sind sie natürlich irritiert, weil ich mit ihnen zunächst nur Französisch spreche. Aber ich spreche mit Händen und Füßen; und dann verstehen sie doch sehr schnell, was ich sage. Wir sammeln dann erst einmal  die Wörter, die sie schon kennen und was ihnen zu Frankreich einfällt. Bei jüngeren Schülerinnen und Schüler sind das z. B. Croissant und Baguette. Den Eiffelturm kennen die meisten auch.

Mit dem Würfel Sätze lernen

Was wollen die Schülerinnen und Schüler von Ihnen wissen?

Oh, ob ich z. B. den Fußballspieler Mbappé persönlich kenne (lacht) und was mein Lieblingsessen ist. Aber richtig begeistert sind sie, wenn sie am Ende des Besuches selbst kleine Sätze sprechen können, z. B. „Je m’appelle Lisa“ (Ich heiße Lisa) oder „Je viens d’Allemagne“ (Ich komme aus Deutschland). Am Ende meines Besuches können sie auch noch einige weitere Sätze sprechen, denn wir machen neben vielen anderen Dingen auch ein Würfelspiel. Hinter jeder Zahl, die eine Schülerin oder ein Schüler würfelt, verbirgt sich ein Satz, den sie oder er schnell lernt. Und wenn ich wieder wegfahre, können die meisten die 6 Sätze sprechen, also sie können „un petit peu“ Französisch.

Hier in Deutschland gilt Französisch als eine schwere Sprache und liegt an den Schulen als zweite Fremdsprache weit abgeschlagen hinter Englisch.

Ich denke, jede Fremdsprache ist zunächst einmal schwer. Das ist normal. Auch Deutsch gilt in Frankreich als schwere Sprache. Aber wenn ein Kind oder eine Jugendliche die Chance hat, eine Beziehung zu dem Land und seinen Menschen aufzubauen, dann ziehen sie daraus die Motivation, die Sprache immer besser sprechen zu können. So ging es mir mit Deutsch ja auch.

Großes Interesse, lange Wartelisten

Sind Ihre Besuche an den Schulen begehrt?

Oh ja, sehr. Wir haben für Süd-Bayern eine lange Warteliste. Ich bin für etwa 200 Schulen zuständig und besuche ungefähr 60 bis 80 im Jahr. Die Palette ist groß, sie reicht von den Grundschulen bis zu berufsbildenden Schulen. Die Animationen passen wir den Altersklassen und dem jeweiligen Französischniveau an. Unser Repertoire besteht vor allem aus Spielen, Musik und Filmen. Bei dem landeskundlichen Quiz „France ou Allemagne?“ haben z.B. die älteren Schülerinnen und Schüler viel Spaß. Insgesamt sind wir 4 x 45 Minuten oder 2 x 1,5 Stunden in einer Klasse. Wir informieren dabei auch über Austauschprogramme und andere Möglichkeiten, Frankreich kennenzulernen.

Ist es so, dass die Schülerinnen und Schüler nach einem Besuch von FranceMobil mehr Lust bekommen haben, Französisch als weitere Fremdsprache zu lernen?

Nach meiner Beobachtung ist das so, aber ich erfahre manchmal, dass die Eltern der jüngeren Kinder dann doch entschieden haben, dass ihr Kind lieber Latein oder Spanisch sprechen lernen soll, eben deshalb, weil Französisch als „schwer“ gilt. Aber ein Besuch ist nicht nur erfolgreich, wenn die Schülerinnen und Schüler sich danach für Französisch als zweite Fremdsprache entscheiden, sondern auch, wenn sie einfach Spaß hatten und Lust haben, mehr über Frankreich und seine Sprache erfahren zu wollen. Es ist ja nie zu spät, eine neue Sprache zu lernen.

Autorin: Inge Michels

Kompakt
Seit 2002 sind die FranceMobils an Deutschlands Schulen unterwegs und sensibilisieren für die französische Sprache und Kultur. Das Programm wird von der Französischen Botschaft/Institut Français, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und Klett gefördert. Der Ernst Klett Verlag setzt sich seit vielen Jahren aktiv für den Französischunterricht ein und unterstützt verschiedene Projekte und Initiativen.
Infos unter: http://www.klett.de/frankreich

Zur Person
Zwölf französische Lektorinnen und Lektoren sind während eines Schuljahres in Deutschland unterwegs. An allgemeinbildenden und beruflichen Schulen begeistern sie während einer Schulstunde Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen durch innovative Methoden von der französischen Sprache. Manon Boutté ist im Schuljahr 2023/24 mit dem FranceMobile in Bayern unterwegs.