Das Länder-Programm QuaMath will die Kompetenzen in Mathematik systematisch durch besseren Unterricht steigern – mehr als 8.000 Lehrkräfte sind bereits geschult.

Eine Schülerin soll die Aufgabe „3 x 6“ auf einem Zahlenstrahl in Bögen abbilden. Richtig wären drei: Von 0 auf 6, von 6 auf 12 und von 12 auf 18. Die Schülerin aber zeichnet zwei Bögen: Einen von 0 zur 3 und einen von 3 zur 9. Sie will damit die Zahlen 3 und 6 abbilden. Die Übersetzung der Aufgabe in eine andere Darstellungsform – in diesem Fall auf den Zahlenstrahl – veranschaulicht: Das Prinzip der Multiplikation hat sie noch nicht verinnerlicht.

Das fiktive Beispiel stammt aus einem Beitrag aus 2025 über digitale Diagnosen zum Multiplikationsverständnis von Kindern. Er ist im Zuge des Projektes „Mathe sicher können“ entstanden und bietet bemerkenswerte Daten. In einer Erhebung unter 238 (nicht gymnasialen) Kindern der fünften und sechsten Klasse zeigte sich bei 92 Prozent in mindestens einer Aufgabe mit Darstellungswechsel, dass das Verständnis der Rechenoperation fragil ist. Das Basiswissen muss aber vorhanden sein, um im Mathematikunterricht folgen zu können.

Der Förderung aufeinander aufbauender Kompetenzen hat sich das Länder-Programm „QuaMath“ verschrieben – eine Fortbildungsinitiative zur langfristigen Verbesserung des Mathematikunterrichts. Ein wesentlicher Gedanke dabei: Wenn Kinder die Grundstrukturen begriffen und sich Basiskompetenzen angeeignet haben, gelingt das Weiterlernen leichter. Es zahlt sich aus, hier mehr Zeit zu investieren.

Der Handlungsbedarf ist groß: Der IQB-Bildungstrend 2024 etwa zeigte, dass 34 Prozent der Jugendlichen in Jahrgang neun in Mathematik den Mindeststandard für den mittleren Abschluss verfehlten.

Wieso der QuaMath-Ansatz erfolgversprechend ist

„QuaMath adressiert das Mathematiklernen von der Kita bis zur Oberstufe. Viele verschiedene Akteure arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen sehr kohärent zusammen“, sagt Marcus Nührenbörger, Professor für Didaktik der Mathematik an der Universität Münster. In QuaMath hat er vor allem den inklusiven mathematischen Anfangsunterricht im Blick.

Das Programm baut viele Brücken: etwa innerhalb der Wissenschaft zwischen Fachleuten zu verschiedenen Bildungsetappen, zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Lehrkräften und verschiedenen Schulen und auch zwischen der Bildungsadministration und Lehrkräften. „Und das alles dialogisch und partizipativ“, betont Nührenbörger.

Die Programmstruktur ist so angelegt: Das Deutsche Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) qualifiziert erfahrene Lehrkräfte zu sogenannten Multiplizierenden. Diese führen fachbezogene Fortbildungen durch und moderieren Schulnetzwerke. Bei den Fortbildungen in den Schulnetzwerken sind immer Lehrkräfte-Teams aus den einzelnen Schulen dabei – nie nur einzelne Lehrkräfte. Diese Schulteams wiederum erarbeiten und erproben Konzepte und entwickeln so den Unterricht weiter.

2023 hat das auf zehn Jahre angelegte Programm begonnen. 15 Bundesländer sind dabei – nur Thüringen nicht. Laut Kultusministerkonferenz waren Anfang 2026 mehr als 500 Multiplizierende ausgebildet. Mehr als 8.200 Lehrkräfte nahmen an Fortbildungen teil. Mit 23 Professorinnen und Professoren wurden 27 Fortbildungsmodule entwickelt.

Ziel: Kein „unrealistischer Unterricht“ mehr

„Es ist im Projekt gelungen, die Qualität des Fachunterrichts zum Gesprächsgegenstand zu machen“, sagt Nührenbörger. „Es gehe bei Lehrkräften nun zum Beispiel viel stärker darum, welche Materialien und welche Impulse geeignet sind für ein kognitiv aktivierendes Lernen der Kinder und Jugendlichen, um das fachliche Verstehen zu fördern.“

Dazu passt, was Susanne Prediger, Mathematik-Didaktik Professorin aus dem QuaMath-Leitungsteam, Ende 2025 im sagte: „Das Hauptproblem in Deutschland ist, dass unrealistisch unterrichtet wird.“ Obwohl etwa klar sei, dass viele nicht begriffen haben, was Multiplizieren ist, geht es im Lehrplan einfach weiter.

Genau diesen „unrealistischen“ Unterricht will QuaMath verändern. Dazu gehört auch, Lehrkräften wissenschaftlich fundiertes und praktisch erprobtes Material an die Hand zu geben. Nührenbörger hat im Projekt FÖDIMA (Förderorientierte Diagnostik im inklusiven mathematischen Anfangsunterricht) zum Beispiel eine Kartei mitentwickelt. Sie enthält 58 Karten mit Anregungen für diagnostische Gespräche und eine passende Förderung für den arithmetischen Unterricht in den ersten beiden Schuljahren.

„QuaMath bietet Orientierung für sehr viele Akteure“, unterstreicht Nührenbörger, der auch Mit-Herausgeber des an QuaMath orientierten Zahlenbuchs aus dem Klett Verlag ist. Es sei zudem kein Einmal-Event. „Das Programm schafft über die längere Begleitung sehr viel Vertrauen“ – und ein gemeinsames Verständnis, was guten Mathematik-Unterricht ausmacht. Und noch etwas fördert das Programm: Durch das Forcieren von Schulteams und Schulnetzwerken bricht es die Rolle von Lehrkräften als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer auf.

Autor: Holger Schleper (Kuhn + Schleper Bildungsdossier)

Der Beitrag stammt aus dem Klett Bildungsdossier „Basiskompetenzen im Wandel“ (6/2026).