Stuttgart, 17.11.2025 – Wie gelingt Lernen und Unterrichten in einer Gesellschaft, die immer vielfältiger wird? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 2. Klett Bildungsdialogs, der am 15. November in der Kokerei Hansa Dortmund rund 60 Lehrkräfte und Schulleitungen aus der Region zusammenbrachte.

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Prof. Silvia-Iris Beutel, Maximilian Schulyok, Susanne van Treeck, Prof. Aladin El-Mafaalani, Annette Kuhn.
Schnell wurde deutlich, die Superdiversität stellt Schulen vor grundlegende Veränderungen: Migration, soziale Ungleichheit, pluralisierte Familienmodelle und unterschiedliche Lebensrealitäten beeinflussen das Lehren und Lernen und verlangen neue Konzepte für Unterricht und Schulentwicklung.
Praxisnahe Debatten und zentrale Fragen aus der Schule
Der Ernst Klett Verlag hatte dazu eingeladen, um genau über diese Herausforderungen ins Gespräch zu kommen. Entsprechend klar fielen die Fragen aus, die Lehrkräfte mitbrachten:
- Wie kann eine Grundschule zu einem Lernzentrum werden, das Kinder wirklich stärkt?
- Welche Handlungsstrategien benötigen Schulen?
- Wie lassen sich Vielfalt und „normaler Unterricht“ überhaupt noch zusammenbringen?
„Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und wir verstehen uns als Partner aller, die daran arbeiten“, betonte Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Ernst Klett Verlags, zu Beginn der Veranstaltung. „Als Bildungsmedienverlag tragen wir Verantwortung dafür, dass Bildung alle erreicht. Vielfalt fordert uns heraus, Bildung neu zu denken und eröffnet die Chance, Lernen gerechter zu gestalten.“
Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Im ersten Impuls beleuchtete Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani von der TU Dortmund, wie sich Unterricht verändert, wenn weniger Kinder, aber deutlich mehr Heterogenität in die Schulen kommen. Lehrkräfte müssten künftig flexibler auf die Lebenslagen ihrer Lernenden reagieren und „keine festen Erwartungen an sie haben“. Er sieht hier vor allem die Vor- und Grundschulen in der Pflicht, die Grundlagen für Basiskompetenzen und soziales Miteinander zu legen.
Unter dem Titel „Lernen muss gelernt werden“ zeigte Susanne van Treeck, Fachleiterin aus Oberhausen, wie Lernumgebungen und Lernaufgaben gestaltet sein müssen, damit Lernende trotz ihrer Unterschiede emotional und kognitiv aktiviert werden.
Wie sich Vielfalt konkret als Qualitätsfaktor nutzen lässt, verdeutlichte Prof. Dr. Silvia Beutel von der TU Dortmund anhand ihrer Erfahrungen aus der Juryarbeit des Deutschen Schulpreises. Sie machte deutlich, dass Heterogenität „nicht allein über das Lernen moderiert werden kann“. Notwendig seien unter anderem eine demokratiebildende Schulkultur mit außerschulischen Lernorten, ein qualitativ hochwertiger Ganztag, sozial-emotionale Erfahrungsräume sowie eine stärkere Öffnung von Unterricht und Peerbegleitungen.
Klare Erwartungen in der Podiumsdiskussion
Welche konkreten Veränderungen Schulen dafür benötigen, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich, moderiert von Bildungsjournalistin Annette Kuhn. Die Teilnehmenden formulierten klare Erwartungen an flexible Lernräume, die unterschiedliche Lernwege ermöglichen, an kleinere Lerngruppen, um individuelle Förderung zu erleichtern, an mehr Schulautonomie, um schneller und bedarfsgerechter handeln zu können und mehr Partizipation, um Verantwortung und Motivation bei Lehrenden und Lernenden zu stärken.
Der Klett Bildungsdialog macht deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Das Format wird im kommenden Jahr zu diesem und weiteren Themen fortgesetzt.
Begleitend zur Veranstaltung ist das Impulspapier „Schulen in der Superdiversität“ erschienen, das kostenlos hier verfügbar.