[25.04.2023]

In Diskussionen um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen steht die Biodiversität meist im Schatten des Klimawandels. Auch in den Lehrplänen ist das Thema eher unterrepräsentiert. Ein hochkarätig besetztes Panel auf dem Klett-Symposium Geographie und Biologie am 29. April widmet sich nun diesem Thema und sucht nach Lösungsansätzen für einen fächerübergreifenden Unterricht.

„Die derzeitige Zerstörung von Ökosystemen und die Ausrottung von Arten ist eine ungeheure Tat, künftige Generationen werden uns dafür vermutlich verachten,“ so Dr. Gregor Hagedorn, Keynote-Speaker und Direktor am Museum für Naturkunde in Berlin. Aus seiner Sicht wird die Bedeutung der Biodiversität häufig falsch eingeschätzt. „Es geht nicht darum, schöne, seltene oder putzige Tiere zu erhalten. Die Vielfalt des Lebens hat existentielle Bedeutung: Ohne funktionierende Ökosysteme gibt es auch kein menschliches Leben auf diesem Planeten.“
In den Lehrplänen sind die Themen der Biodiversität meist nur im Fach Biologie verortet. Eine fächerübergreifende Auseinandersetzung würde helfen, ein besseres Verständnis zur Beurteilung von Lösungsmöglichkeiten zu bekommen. Diese Aufgabe zu bewältigen, steht mit Blick auf die Fächer Biologie und Geographie im Fokus des Symposiums. Beide eint der systemische Ansatz bei der Bewältigung globaler Herausforderungen. Während die Geographen stärker die räumlichen Verflechtungen von lokal bis global im Auge haben, steht bei den Biologen stärker das Arten- und Ökosystemwissen im Vordergrund. Ein gegenseitiger Austausch wäre für die Beurteilung von Lösungsmöglichkeiten unverzichtbar.

„Es wäre wunderbar, wenn Schüler:innen in der Schule lernen, wie komplex die Natur ist, wie unerwartet vielfältig und wie unglaublich unerforscht“, so Hagedorn. Auch andere Lernorte spielen für ihn dabei eine wichtige Rolle: „Außerschulische Lernorte einschließlich der Naturkundemuseen, sollten meiner Ansicht nach sowohl Orte der Liebe zur Natur als auch Orte der Wahrheit sein. Zur Wahrheit gehören eben auch jene Dinge, die man nicht hören mag: Gefahren, ebenso wie die echten Lösungsmöglichkeiten. Lösungen, die unseren Lebensstil und unsere Selbstgerechtigkeit in Frage stellen. Ein klarer Blick auf Wahrheiten macht Mut zur Veränderung und geben Hoffnung, gemeinsam eine nachhaltige Welt schaffen zu können.“

Online-Kongress
15. Klett-Symposium Geographie und Biologie

29. April 2023, 9:30 – 13 Uhr

Die Referenten werden mit den Teilnehmenden die Herausforderungen zum Erhalt der Biodiversität aus wissenschaftlicher, unterrichtlicher sowie fächerübergreifender Perspektive in den Blick nehmen und diskutieren.

Mit Dr. Gregor Hagedorn (Akademischer Direktor am Museum für Naturkunde Berlin, Mitbegründer Scientists for Future), Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Fachleiter Sem. Karlsruhe und Leuphana Uni Lüneburg), Matthias Scholliers (Autor), Tina Roth (FB Biologie ZSL, Lehrerin) Christoph Rausch (Autor), Dr. Volker Meyer und Marieke Pochstein (Ernst Klett Verlag).

Anmeldung unter: https://www.klett.de/fortbildungen/fortbildung-1400