Die Geschichte des Ernst Klett Verlages – Bildungstradition seit 1897

Von den Gründerjahren bis in die Gegenwart steht Klett für Kontinuität durch Wandel. Das zeigen die Meilensteine unserer Unternehmensgeschichte.

1897 – 1920 Der Beginn für Klett

Der alte Ernst Klett

Ernst Klett d. Ältere

Als Ernst Klett d. Ältere gemeinsam mit seinem Schwager in Stuttgart 1897 einen musikwissenschaftlichen Verlag, eine Druckerei (bis 1989) sowie ein Plakatanschlagsinstitut übernimmt, wird damit gleichsam der Grundstein für das Familienunternehmen Klett gelegt. Bereits im Jahr 1900 werden Räumlichkeiten in der Stuttgarter Rotebühlstraße 77 bezogen.  Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entsteht das sogenannte „Klett-Areal“ mit weiteren Gebäuden an dieser Adresse. Dieser Standort ist bis heute der Stammsitz des Unternehmens.

1921 – 1933 Die ersten Schulbücher

In den 1920er Jahren erscheint beim Verlag das erste Schulbuch-Programm für den württembergischen Raum. Mit dem Kauf der Schulbuchsparte des Bonz-Verlages um 1930 und mit der Übernahme weiterer Schulbuchlizenzen erhält das Schulbuch einen kleinen Platz im Verlagsprogramm.

Ab 1928 firmiert das Unternehmen erstmals unter dem Namen „Ernst Klett Verlag Stuttgart“.

Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird das bis dahin schmale Schulbuchgeschäft systematisch zurückgefahren. Die bis zum Ende des Krieges wenigen, noch im Verlag erscheinenden Schulbücher unterliegen den Kultusministerien der Länder bzw. der später zentralistisch organisierten Schulverwaltung und ihrer NS-konformen Propaganda.

1945 – 1949 Der Neuanfang nach dem Krieg

1945 erhält das Unternehmen als einer der ersten Verlage in Deutschland seine Verlagslizenz wieder zurück und stellt sich neu auf. Unter dem Namen Klett entsteht ein eigenständiger Schulbuchverlag, der rasch expandiert. Aus dem ehemals größten Schulbuchverlag Teubner treten zahlreiche erfahrene Mitarbeiter in den Dienst des Klett Verlages. Sie bringen wichtige Lizenzen mit wie z. B. „Etûdes français„, „Learning English“ oder „Ludus Latinus„. Mit dem „Lambacher Schweizer“ entwickelt der Klett Verlag 1946 eines der bis heute erfolgreichsten Mathematik-Lehrwerke im deutschsprachigen Markt.

Erste Schulbücher nach dem 2. Weltkrieg

1947 verwendet Klett als erster Verlag den Mehrfarbendruck im Schulbuch (Unser Liederbuch, die Rechenfibel). In den Anhängen des Liederbuches werden zudem verschiedene regionale Lieder eingebunden, um dem Buch möglichst viele Marktchancen in anderen Gebieten zu eröffnen.

Liederbuch Ernst Klett Verlag in Farbe

Ein Schulbuch erstmals in Farbe.

Erstes Farb-Liederbuch Ernst Klett Verlag

Und mit regionalem Bezug.

1950 – 1969 Wachstumsjahre für den Klett-Verlag

neues Klett Verlagsgebäude Rotebühlstr. 75 - 77

Der Klett-Auslieferungsschalter 1951

„Es ist nicht primär unsere Aufgabe, über das bessere Buch die Lehrer zum methodisch modernen Unterricht zu erziehen, sondern wir haben Schulbücher zu bringen, wie sie die Mehrheit der Lehrer für ihre Arbeit braucht.“ Ernst Klett, 1953

Die 1950er und 1960er Jahre entwickeln sich für den Verlag zu besonderen Wachstumsjahren. Es entstehen zahlreiche erfolgreiche neue Schulbuchmarken. Erstmals werden Schulbücher für die ganze Bundesrepublik angeboten. Mit dem Schulbuch „Vita Romana“ entsteht 1950 das erste Lehrwerk nach dem Doppelseitenprinzip: Eine Lerneinheit verteilt sich auf zwei nebeneinander liegende Seiten.

Doppelseite Vita Romana von 1950 Klett Verlag

Das Lateinbuch Vita Romana.

Vertrieb und Auslieferung der Schulbücher werden über das neue Werksgebäude bei Korb abgewickelt. 1953 eröffnet der erste Klett-Treffpunkt in München. Dort können sich Lehrerinnen und Lehrer über das Verlagsangebot informieren.

1958 legen die Kultusministerien ein größeres Gewicht auf die Eigenständigkeit der Lehrpläne. Damit ändert sich auch die Arbeit in den Klett-Redaktionen, die nun neue Unterrichtswerke im Hinblick auf die Zulassung in verschiedenen Bundesländern konzipieren.

Neue Medienformate der Unterhaltungsindustrie wie Tonbänder, Kassetten und Schallplatten werden als innovatives Medium für den Unterricht aufgegriffen. Dabei entsteht u.a. das „Tönende Klettbuch“ (1963) als Begleitmaterial für den Fremdsprachenunterricht.

Ein pädagogisches Hauptthema dieser Zeit war die neue, auf ein informationstheoretisch-kybernetisches Didaktik-Verständnis basierende Lernmethode: der programmierte Unterricht. Dazu erscheint bei Klett eine neue Reihe, über die Ernst Klett im Schulbuchverzeichnis 1965 sagt:

„Die Programme werden weder die Lehrer noch ein Schulbuch ersetzen, sondern vorwiegend der Vertiefung und Wiederholung von Teilproblemen, der Erarbeitung von Einzelthemen und der häuslichen Arbeit dienen“.

1968 wird bei Klett eine kartographische Redaktion gegründet. Der Alexander Schulatlas erscheint erstmals.

1969 Gründung der Systemgemeinschaft Klett/Bosch zur besseren Abstimmung von multimedialen Lernmitteln und Hardware für den Unterrichtseinsatz.

1970 – 1980 Innovationsjahre für den Schulbuchverlag

Aufgrund stark sinkender Schülerzahlen richtet der Verlag seine Programmbereiche neu aus und investiert in neue Produktformen.

Auf der „Interschul“ 1971 in Dortmund werden der Öffentlichkeit erstmals Testprogramme für den computergestützten Unterricht präsentiert. Damit können erstmals Prüfungsaufgaben eines bei Klett eigens entwickelten Lernprogramms mit Computern ausgewertet werden.

Mit sogenannten Arbeitstransparenten bietet Klett als erster Verlag Folien für die Benutzung auf Overheadprojektoren im Fach Biologie an. Zudem erscheinen erste Unterrichtsfilme und Sprachlabormaterialien.

Zum 25jährigen Bestehen der Bundesrepublik erscheint das Lehrwerk „Grundwissen Grundgesetz„.

Neue Medien der 1970er Jahre: Sprachlabor, Overhead, TT-Programm

1981 – 1989 Märkte verändern sich

Der Beginn der 1980er Jahre war durch einen erneuten, starken Schülerschwund geprägt. Die Lehrpläne in den einzelnen Bundesländern wurden immer differenzierter, so dass nicht mehr einzelne Autoren sondern ganze Redaktionsteams an der Entwicklung eines einzelnen Titels arbeiteten. Ende der 1980er-Jahre wird das Produktsortiment des Verlags erstmals um Lernsoftware erweitert. Mit der Deutschen Einheit müssen die Schulen der ehemaligen DDR mit neuen Unterrichtsmaterialien ausgestattet werden.

1990 – 2000 Erweiterung des Ernst Klett Verlag GmbH

Klett Haus in Leipzig

Zweigniederlassung in Leipzig

Der Ernst Klett Verlag gründet als einer der ersten westdeutschen Verlage nach der Wiedervereinigung eine Zweigniederlassung in Leipzig. Bis heute entstehen dort an zwei Standorten Lehrwerkskonzepte für die Grundschulen und die allgemeinbildenden Schulen.

1992 wird der Justus Perthes Verlag übernommen. Die Atlastradition von Perthes und Haack wird, bis zum Umzug der Redaktionen 2016 nach Leipzig, in der Zweigniederlassung Gotha fortgesetzt.

Mitte der 1990er-Jahre wird der Auer-Verlag übernommen und firmiert weiter als Klett-Auer. In der Zweigniederlassung Dortmund entstehen bis heute Titel für die Grundschulen (u.a. vpm Verlag) und die allgemeinbildenden Schulen.

Die Klett Gruppe wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie vereint dezentrale Bildungs-, Fach- und Publikumsverlage, Unternehmen für Erwachsenen- und Weiterbildung, Auslieferung und Vertrieb sowie Schulen und Kindertagesstätten. Die Ernst Klett Verlag GmbH bleibt ein weiterhin autark geführtes Unternehmen der Gruppe.

2001-2010 Ernst Klett Verlag bietet erste digitale Unterrichtsmaterialien

Die Produkte des Ernst Klett Verlages finden als Lizenzausgaben bereits seit den 1960er Jahren Verbreitung im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2006 gehen der Österreichische Verlag ÖBV sowie der Schweizer Verlag Balmer zu 100 Prozent an den Ernst Klett Verlag.

Anfang des neuen Jahrtausends ergänzen erstmals sogenannte „Online Codes“ die gedruckten Schulbücher – mit ihnen können Lehrerinnen und Lehrer zusätzliches Unterrichtsmaterial im Internet aufrufen. Diese bilden die Basis für die späteren Mehrwertangebote der digitalen Schulbücher.

Die parallele Verwendung von Bild, Text, Audio und Video ermöglicht mehrkanaliges und abwechslungsreiches Lernen im Unterricht: die ersten interaktiven Tafelbilder für den Einsatz am interaktiven Whiteboard/Beamer werden angeboten.

Mit dem kostenlosen Online-Tool „Testen und Fördern“ erhalten Lehrkräfte ab 2009 erstmals einen ausführlichen Überblick über den Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler. In der kostenfrei nutzbaren Datenbank stehen bis heute ca. 600 Lernstandtests zu mehr als 40 Lehrwerken  zur Verfügung.

Unterrichtsmaterialien interaktive Tafelbilder
Haack Atlas von Klett
Leistungsstand Test

2011 bis heute: Individuelles und interaktives Lernen

Klett führt als erster Verlag 2012 Lehrermaterialien im Digitalen Unterrichtsassistenten zusammen und ermöglicht damit eine zeitsparende Unterrichtsvorbereitung.

Auch Schülerbücher werden digital: mit dem „Digitalen Schulbuch“ können Schülerbücher erstmals auch auf digitalen Endgeräten gelesen werden.

Erste Apps werden ab 2014 angeboten, vielfach für den Bereich Grundschule und Fremdsprache. Weitere Apps für Smartphones und Tablets folgen.

Inklusion, Differenzierung, Individualisierung finden in den Lehrwerken immer mehr Berücksichtigung. Für alle Fächer und Schulformen entstehen Arbeitsmaterialien und Hilfen für den sonderpädagogischem Förderbedarf, die Sprachförderung und die 3-fach Differenzierung.

Mit der Neuauflage des „Haack Weltatlas“ setzt der Ernst Klett Verlag 2015 erstmals umfassend auf digitale 3-D-Inhalte. Kartografie soll für Schüler zum virtuellen Erlebnis werden.

Nachdem 2015 erste Prototypen auf der didacta vorgestellt werden konnten, startet der Verlag im Schuljahr 2017/18 mit den „eBook pro„. Sie bieten Schülern erstmals eine vollintegrierte, multimediale und interaktive Lösung für das digital unterstützte Lernen mit Klett-Lehrwerken.

Für das 3-D unterstützte und interaktive Lernen präsentiert der Verlag auf der didacta 2018 mit Klett-Sensavis erstmals eine Lösung, die hilft, komplexe und abstrakte Fachinhalte ansprechend und vereinfacht darstellen zu können.

Vielfältig lernen mit Lern-Apps, digitalen Schulbüchern oder interaktiven Lernkursen