Ich war freundlich. Ich habe einen Streit geschlichtet. Ich bin für meine Überzeugungen eingetreten.
Demokratie beginnt nicht erst bei Wahlen, Parteien und politischen Institutionen. Sie zeigt sich auch darin, wie wir miteinander umgehen, Konflikte austragen, Verantwortung übernehmen und erfahren, dass unser eigenes Handeln etwas bewirken kann. Wie kann Schule genau solche Erfahrungen ermöglichen? Und was hilft Lehrkräften, wenn sie zugleich mit Provokationen, extremistischen Positionen oder Angriffen auf demokratische Grundwerte konfrontiert werden? Darum ging es beim Klett Demokratie-Symposium am 26. September 2026. Vor allem drei Punkte kristallisierten sich aus der Veranstaltung heraus:
Demokratiebildung und Schülerbeteiligung gehören zusammen
Über Demokratie zu sprechen ist wichtig. Noch stärker wirkt die Erfahrung, selbst etwas gestalten zu können. So kreisten viele Fragen um das Thema Klassenrat und aktive Schülerbeteiligung. Wer entscheidet mit? Welche unterschiedlichen Positionen gibt es? Wie kommen wir zu einer gemeinsamen Lösung? Und wie gehen wir damit um, wenn wir uns nicht einigen?
In der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig echte Beteiligungserfahrungen für Demokratiebildung sind. Klassenrat, Schülervertretung und andere Formen der Mitgestaltung können Selbstwirksamkeit erfahrbar machen, vorausgesetzt, Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihre Beiträge tatsächlich etwas bewirken.
Demokratiebildung braucht nicht immer den großen Methodenkoffer
Ein zweiter Gedanke aus dem Symposium: Vieles, was demokratisches Lernen fördert, lässt sich niedrigschwellig in den Schulalltag integrieren. Unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen. Eine Frage nicht sofort beantworten, sondern verschiedene Positionen sammeln. Widerspruch zulassen. Nachfragen: Warum denkst du das? Wie kommst du zu dieser Einschätzung? Was spricht möglicherweise dagegen? Und vor allem: immer wieder üben, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Dafür braucht es nicht immer aufwendige Methoden. Es braucht aber Lehrkräfte, die diese Räume eröffnen und begleiten. Demokratiebildung wird damit weniger zu einer zusätzlichen Aufgabe im ohnehin vollen Schulalltag. Sie kann Teil dessen sein, wie Unterricht grundsätzlich gestaltet wird.
Politische Neutralität bedeutet nicht Wertneutralität
Was ist eine verfassungsfeindliche Unterrichtssituation? Wie gehe ich mit Kollegen und Kolleginnen um, die sich rechtsextremistisch äußern? Wie begegne ich Aussagen von Schülerinnen und Schülern, ohne dadurch sehr viel Unterrichtszeit zu verlieren?
Diese und ähnliche Fragen brachten die Teilnehmenden zum Umgang mit Extremismus an der Schule ein. Im Mittelpunkt standen der Beutelsbacher Konsens und verbreitete Fehlinterpretationen, das Bedrohungspotenzial extremistischer Positionen im Schulalltag sowie rechtliche Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume.
Eine wichtige Orientierung dabei war stets die Politische Neutralität von Lehrkräften. Sie bedeutet nicht, gegenüber demokratiefeindlichen Positionen neutral bleiben zu müssen. Lehrkräfte dürfen Schülerinnen und Schüler nicht überwältigen oder parteipolitisch beeinflussen, und kontroverse Fragen müssen als kontrovers behandelt werden. Gleichzeitig hat Schule den Auftrag, für demokratische Grundwerte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten.
Lehrkräfte müssen nicht zu jeder politischen Frage eine eigene Position vorgeben. Sie dürfen aber dort Haltung zeigen, wo Menschenwürde, demokratische Grundrechte und die Grundlagen des demokratischen Zusammenlebens infrage gestellt werden.
Über das Symposium
Beim Klett Demokratie-Symposium am 26.9.2026 referierten und diskutierten Dr. Nils Franke, Historiker und Autor, Universität Leipzig, Nathalie Bock, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie der TU Dresden, Markus Litwa, Schulsozialarbeiter am Evangelischen Schulzentrum Muldental, sowie Dr. Justus Fuesers, Lehrer und Mitglied bei Teachers for Future. Moderiert wurde die Veranstaltung von Armin Häberle, Programmbereichsleiter Gesellschaftswissenschaften aus dem Ernst Klett Verlag. Die Teilnahme an der Veranstaltung war kostenfrei und stand allen Lehrkräften offen.
Demokratie aktiv
Im Blog Gewi-im-Unterricht.de finden sich zahlreiche aktuelle Materialien und Unterrichtsimpulse zur Demokratiebildung für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Wie politische Themen im Deutschunterricht eingebunden werden können, zeigt der Deutsch-Blog mit seinen zusätzlichen Stundenentwürfen.
